Archiv für Februar 2009

Artists to watch: Cloud Control

Februar 2, 2009

Einer Band deren Name es sich bereits anmaßt die Wolken kontrollieren zu können, könnte man Arroganz vorwerfen – oder ein Gespür für wohlklingende Wortkombinationen, die mit noch schöneren Melodien großartige Songs ergeben. Zweiteres trifft voll auf Cloud Control zu, ersteres überhaupt nicht!

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Kaum ein anderer Act wird sich mit seinem Namen so sehr identifizieren können, wie die vier jungen Musiker aus den australischen Blue Mountains. Die Orte aus denen sie stammen – Glenbrook, Faulconbridge und Springwood – liegen durchschnittlich 328 Meter über dem Meeresspiegel. Von ihren Schlafzimmern aus schauen sie in Täler voller Wolken, und bläulich schimmernden Dünsten, aus den ätherischen Ölen der dort wild wachsenden Eukalyptusbäumen.

Ich will nicht in die Wortwahl eines x-beliebigen Reiseführers zurückfallen, aber die Umgebung nimmt in diesem Fall maßgeblichen Einfluss auf den Klang der Musik. Wie kann es anders sein, wenn man nicht im Kellergewölbe eines zweiten Weltkriegsbunkers probt, sondern im Parterre mit einem Ausblick wie aus einem Fantasiefilm? Das Video zur neuesten Singleveröffentlichung „Death Cloud“ zeigt die Cloud Controller wie zufällig eingefangen in eben diesem Proberaum. Zwar fehlt im Clip die beschriebene Aussicht, aber auch sonst wirkt die Atmosphäre, als würde die Band auf Wolken schweben. Klingt zu geschwollen? Schaut rein und ihr werdet mir recht geben!

Alister Wright ist einer der coolsten Frontmänner der letzten Jahren und ist dabei nicht nur mit einer Stimme zwischen Anthony (der von The Johnsons) und Jeff Buckley gesegnet, sondern spielt seine Gitarre auch noch emotionaler als Bono je heulen könnte. Jeremy Kelshaw ist die Bassmaschine in Person und schafft es mit einer Fülle an Effektpedalen eine wunderbar verträumte Basis für den Sound von Cloud Control zu schaffen. Eine besonders familiäre Note bekommt die Band durch das australisch-deutsch-spanisch-peruanische Geschwisterpaar Heidi und Ulrich Lenffer. Kein Witz, die heißen wirklich so! Heidis Gesang und Keyboardspiel ergänzt den Sound zur träumerischen Gesamtheit, während Autodidakt und 2-Meter-Mann Ulrich seinem winzig wirkenden Schlagzeug die irrwitzigsten Schlagabfolgen entlockt.

Nicht ohne Grund sind Cloud Control für mich der großartigste Act der letzten beiden Jahre und – da bin ich mir sicher – einer der ganz großen Sterne am Indie-Himmel in den kommenden. Ihre Bandbiographie könnte kein Promoter toppen:

Heidi trägt sich damals noch unter dem Namen „Cube Plantation“ für einen Bandwettbewerb an der Universität in Sydney ein. Problem: Sie hat gar keine Band und es bleiben nur wenige Woche bis zum Auftritt. Flugs verdonnert sie Bruder Ulrich dazu sich ein Schlagzeug zu kaufen und es auch noch zu lernen, der sagt seinem Schulfreund Alister Bescheid, der schon immer gerne in einer Band sein wollte und am Ende stößt Heidis Schulfreund Jeremy hinzu, der als einziger Bühnenerfahrung hat. Geprobt wird Nachts in einer lokalen Baptistenkirche, wenn der Gottesdienst zu Ende ist. Vielleicht hilft die göttliche Fügung ihnen – die vier gewinnen wider erwarten den Wettbewerb und können damit ihre erste EP finanzieren. Noch am gleichen Tag werden sie von einem begeisterten Zuschauer angesprochen – es stellt sich heraus, dass er in der Tontechnik des Opernhauses (das Wahrzeichen von Sydney, das mit den Segeln) arbeitet und so dürfen sie dort ihre Vocals einsingen.

So geht es stetig bergauf: Cloud Control spielen im ganzen Land, zuletzt als Toursupport von Supergrass, und sorgen für einen Hype in der lokalen Indieszene. Die Radiosender FBI und Triple J, ihreszeichens auf alternative Musik spezialisiert, fressen einen Narren an der Band und helfen aus wie sie nur können. Der Dreampop aus den blauen Bergen scheint anzukommen!

Deutschland ist hoffentlich als nächstes dran…

Weitere Infos gibt es auf ihrer Myspace-Seite: myspace.com/cloudcontrol

Die Musik ist über iTunes und Amazon auch hierzulande verfügbar.